Zufälliges Zitat

"Ein 10.000-Meter Lauf ist ein Wettkampf, ein Marathon ist eine Erfahrung, ein Ultra ist ein Abenteuer."

Bryan Hacker

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Matthias C.S. Dreyer zum Marathon Mnisek pod Brdy:
Matthias C.S. Dreyer , 18.04.2005

Nic k procleni – Nichts zu verzollen

Europacup im Ultramarathon (ECU)

1. Lauf - 50 Kilometer in Mnisek pod Brdy in Tschechien

Nic k procleni – Nichts zu verzollen

Das Wichtigste in Kürze:
Voranmeldung über die angegebene FAX-Nummer hat problemlos geklappt, obwohl keine Rückantwort kam (wohl wegen der Kosten);
Bezahlung habe ich vor Ort von einem Bekannten erledigen lassen, da die Bankgebühren unverschämt hoch sind;
Die angebotenen Zimmer in den Pensionen sind durchweg sauber und entsprechen dem örtlichen Standard. Einschätzungen anderer Läufer halte ich für unangemessen. Die Pension, in der ich übernachtet habe, kann ich bestens empfehlen „Pension a restaurace „U Kozisku“: Einfacher Standard, sehr gutes Essen im Restaurant (böhmisch), hervorragendes Bier, Becherovka, alles vorhanden; Wirtsleute supernett und sehr bemüht, beispielhaft für deutsche Verhältnisse; Frühstück bereits um sechs Uhr; alle Wünsche (Essen, Trinken) wurden erfüllt;
Organisation des Laufes prima, trotz einiger Sprachhemmnisse; am besten geht tschechisch, deutsch und englisch mit Hindernissen, russisch kann ich nicht beurteilen, scheint aber auch möglich;
Die Strecke war aus meiner Sicht sehr gut präpariert; angeblich hat sich eine österreichische Läuferin verirrt, was m.E. fast nicht möglich war, überall leuchteten gelbe Punkte, Pfeile und Pflöcke;
Der Lauf führt größtenteils über sehr gut befestigte Wege (asphaltiert); kleinere Strecken über Waldwege; lanschaftlich sehr reizvoll, böhmischer „Waldtyp“ mit Tannen und Fichten, urwüchsig;
Die Strecke ist nunmehr wohl amtlich vermessen und beträgt 50 Kilometer, 850 Höhenmeter sind zu überwinden; das Profil ist „wellig“, es geht also ständig bergauf-bergab, einige steile Passagen; abwechslungsreich;

Es folgt ein ausführlicher Bericht, der nicht unbedingt von allgemeinem Interesse ist, aber weitere Informationen birgt:

Im Jahr 2005 haben sich sechs Laufveranstalter zusammengeschlossen im Europacup der Ultraläufe. Den ersten Lauf absolvierten 3 Maikammerer Läufer mit hervorragenden Ergebnissen in Mnisek pod Brdy in Tschechien. Die weiteren Wettkämpfe werden in Thüringen (Rennsteiglauf – 76,2 Kilometer) im Mai, in Biel (Schweiz - 100 Kilometer) im Juni, in Celje (Slowenien – 75 Kilometer) im September, in der Wachau (Österreich – 52 Kilometer) im September und auf der Schwäbischen Alb (50 Kilometer) im Oktober des Jahres gestartet.

Am Freitag, den 9. April um 9.00 Uhr sammelten sich die Laufbegeisterten in der Weiherstraße bei Matthias Dreyer. Gegen 16.00 Uhr und nach 550 abwechslungsreichen Kilometern erreichte die Truppe mit Josef Willerich, Martin Höchst und Gerhard Penzkofer den Austragungsort etwa 40 Kilometer südlich von Prag.

In der Kantine einer alten längst ausgedienten Stahlhütte aus kommunistischen Zeiten saß das Organisationsteam des austragenden Vereins. Jetzt konnten wir feststellen, ob die Faxe, die wir zur Anmeldung nach Tschechien verschickt hatten, tatsächlich angekommen waren. Unser Dolmetscher, Gerhard Penzkofer, musste ran und schnell war klar, alles in Butter: Startnummern und Unterkunft sind reserviert! Wir bezogen unser Quartier, eine schlichte Bude mit vier Betten und einem Schrank in einer Pension am Ort. Schon bei der Begrüßung strahlte uns Freundlichkeit und Willkommen entgegen, wie es uns viele Male in Böhmen begegnete. Beim ausgiebigen Abendessen kosteten wir das herrlich frische tschechische Bier (Gambrinus) und ölten unsere Kehlen mit dem Nationalgetränk aus Karlovy Vary (Karlsbad), dem weltbekannten Becherovka. Dank der hervorragenden Sprachkenntnisse unseres Laufkameraden Gerhard Penzkofer war es ein leichtes, einen Palatschinken in der gewünschten Kombination, z.B. mit Zimt, oder einen Kaffee turka (Pulver in der Tasse) zu bestellen.

Nachdem wir Josef Willerich überzeugt hatten, dass fünf Uhr in der Frühe für das Frühstück doch etwas zu früh sei, erhielten wir am nächsten Morgen pünktlich um 6.00 Uhr die Grundlage für den 50 Kilometerlauf, der um 8.00 Uhr auf dem Stahlhüttengelände begann. 110 Männer und Frauen nahmen die Strecke (50 Kilometer/850 Höhenmeter) unter die Schuhe, kämpften sich durch Berg und Tal, durch kühles Wetter und Regen und 105 erreichten das Ziel innerhalb des Zeitlimits von 5 Stunden und 30 Minuten.

Zunächst drehten wir, noch weitgehend als geschlossene Gruppe, eine Schleife am Ortsrand, um dann schnurstracks in die Berge abzudüsen. Schöner böhmischer Wald empfing uns, herrliche Tannen- und Fichtenwälder säumten den Weg. Die Strecke verlief größtenteils über gut befestigte Waldstraßen, in kleineren Abschnitten über Waldwege. Hier ein einsames Gehöft, malerisch im Wiesengrund, dort ein Weiler geduckt am Waldrand, urwüchsige, schöne Waldgegend, wie sie in der Pfalz nur noch selten zu finden ist. Die angenehme Temperatur (für Läufer) von ca. 8 Grad, der leichte Regen und die frische Luft ließen die Länge der Strecke und die Höhendifferenzen schnell vergessen und den Genuß in den Vordergrund rücken. Der Unterschied zur Hektik eines Stadtmarathons mit zigtausend Läufern kann kaum größer sein.

Gemäß dem Leistungsvermögen der Maikammerer Läufer entwickelte sich auch der Rennverlauf. Josef Willerich vorne in der Spitze, Matthias Dreyer und Martin Höchst zunächst gemeinsam im lockeren Schritt. Martin Höchst wurde es dann bei Kilometer 15 doch zu bunt – also zu langsam – und er schloss auf eine Gruppe auf, die sich auf eine Zeit von 4 Stunden 30 bis 45 Minuten einpendelte. Matthias Dreyer genoß zunächst das ruhige „allein-Laufen“ und schloss dann zu einem Kollegen aus Erfurt auf. Der begann ungefähr so: „Jeder der hier läuft ist ein Gewinner, aber du kannst sicher schneller, du bist doch gut 30 Jahre jünger.“ „Ich bin 46.“ „Na, gut ich werde 66, dann sind es halt zwanzig.“ „Ob ich das in 5 Stunden schaffe?“ „Klar, also wir sehen uns in Eisenach beim Rennsteiglauf, den hab ich schon 27 Mal gemacht.“ „?!?!“ Vom Erfurter ging es weiter zu einem Slowenier – Sprachprobleme ! – zu einem Berliner, der in Jena studiert hat und in Wiesbaden wohnt. Er logierte in der gleichen Pension, wie die Maikammerer und hatte bereits am Vorabend Kontakt aufgenommen, war dann aber auch zu langsam, so dass ein langer einsamer Lauf ab Kilometer 35 zu Ende zu genießen war. Und keiner wollte es glauben, aber zum Schluss, bei Kilometer 45 ging es nochmal richtig bergauf – so „Waldhaus-Wilhelm-ähnlich“. Danach noch gut 4 Kilometer abwärts und schon waren die Schornsteine der Stahlhütte zu sehen. Uff, geschafft, drei, vier begeisterte Zuschauer, noch durch einen Tunnel und dann ins Ziel. Jeder Finisher erhielt eine Medaille. Es warteten bereits die Laufkameraden zum Zielfoto, Gerhard Penzkofer war begeistert: „Ich bin sehr zufrieden mit euch, ihr seid alle sehr gut gelaufen!“ und dann zur Dusche und zur Siegerehrung, um 15.00 Uhr.

Alle Läufer saßen in der Kantine und hörten dem Veranstalter zu, der die Ergebnisse zunächst auf tschechisch vortrug, die dann ins deutsche übersetzt wurden, wobei doch einige Informationen verloren gegangen sind. Wichtig war für uns Maikammerer, dass Josef Willerich in hervorragenden 3:48:08 den achten Platz belegte und den ersten Preis in der Altersklasse M 45 bis 54 errang. Martin Höchst finishte in 4:40 und Matthias Dreyer in 4:56. Es gab Preise für die größte Gruppe – Läufer aus Slowenien, für die weiteste Anreise – ein Läufer aus Litauen. Gegen 17.00 Uhr endete die lockere und international besetzte Veranstaltung, Maikammer zog sich zurück zum Siegersekt in der netten Pension. Ein schönes Abendessen mit gutem Bier rundete den Tag ab, der mit Becherovka endete.

Am Sonntag, ein tschechisches Frühstück, und dann nach Hause. Gegen 14:30 Uhr sahen wir die heimatlichen Gefilde auftauchen. Drei nette Tage mit einem schönen Landschaftslauf, freundlichen Menschen, gutem Essen und bestem Bier fanden ihr Ende: „Ich bin sehr zufrieden mit euch, das war solide, das war perfekt!“ Gerhard, wie hätten wir das ohne dich geschafft?


Die Ergebnisse des TV Maikammer in Mnisek pod Brdy (Tschechien), 50 Kilometer, auf einen Blick:

Josef Willerich – 3:48:08 - 1. Altersklasse M 45-54 (8. Gesamtklassement)
Martin Höchst – 4:40:00 - 19. Altersklasse M 35-44
Matthias Dreyer – 4:56:08 - 31. Altersklasse M45-54


Informationen zum Europacup (ECU) im Internet: http://www.rennsteiglauf.de/index/news_highlights/europacup/index_serie13.html

Weitere Informationen beim Pälzer


© Matthias C.S. Dreyer, 18.04.2005

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


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