Zufälliges Zitat

"Jetzt hat die Menschenjagd ein Ende - jetzt gehts auf Kilometerjagd"

Martina Hausmann, Erkrath 2007, gerade Edit überholt

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Wolfgang Sacher zum Dodentocht:
Wolfgang Sacher , 20.08.2007

100 Km

100 Km

Wie schon in der Vergangenheit wollte ich auch in diesem Jahr einen 100 Km Lauf bewältigen. Bei meiner Jahresplanung im Januar hatte ich mir aus dem Internet einige Termine von 100 Km Läufen herausgedeutet.
Biel / Schweiz oder Torhut / Belgien im Juni, Chiemgauer im Juli, Leipzig oder Bornem / Belgien im August, Winschoten / Holland oder Aarhus / Dänemark im September, alles interessante Veranstaltungen.
Aber der Termin sollte dann doch im August sein, weil Diethelm mich zu dem Brüder Grimm Lauf überredet hatte.
Also legte ich mich auf Bornem in Belgien fest, denn die 100 Km in Leipzig bin ich schon einmal gelaufen.
So legte ich mein ganzes Interesse in den Lauf in Belgien. Die Überraschung war groß, als ich die ersten Berichte über den „ Lauf „ im Internet beim Steppenhahn las.
100 Km Wandern so die ersten Info`s.
Was war das denn?
Doch dann stellte sich heraus, dass auch Läufer dort starten.
Daher auch die Berichte bei den Ultrafreaks, wo ich den Termin erfuhr.
Also eine Wanderung mit Zeitfenstern, d. h. die Zielstation durfte erst nach 10 Stunden passiert werden.
10 Stunden das war auch mein Maß, also konnte ich mich beruhigt mit dem Lauf beschäftigen.

Die Offizielle Website hatte auch eine deutsche Übersetzung.

100 km Dodentocht Kadee Bornem - Belgien
10 August 2007

Willkommen auf die deutsche Seiten der internationalen 100km Dodentocht® site!
In 37 Jahre hat die Dodentocht zu einer der wichtigsten Spaziergang-happenings Europas entwickelt. Was in 1970 mit 65 Teilnehmer angefangen hat, hat sich zu ein 'öber-9000-Spaziergenger' Ereignis ausgewachst.
Welcher Grande ist ein solcher Wachs zuzuscreiben?

Es sind die immer zurückkehrenden Spaß, die über 50.000 zuschauer den ganzen Parcours entlang (hindurch die Provinz Antwerpen, Oost-Vlaanderen und Vlaams-Brabant), die flotte Organisation und die einzigartige Umgebund, die diese 100km Dodentocht® van Bornem von anderen Spaziergüngen unterscheiden, und es zu einem unvergeßlichen Erlebnis erheben.

In Bornem gibt es keine Rangliste oder Rekords; es geht nur um die persönliche Leistung. Die belohning ist ein Zeignis, eine Medaille und das zufriedene Gefühl das man hat wenn das Ziel erreicht ist.

Die internationale Dodentocht® zeigt uns das Duldsamkeit und Freundschaft zwischen Völker möglich sind. Andere Leute akzeptieren und respektieren sind die wahrhafte Wunschbilder dieser Dodentocht®.

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Besser fand ich das Plakat






Jetzt wusste man wo man dran war,

Dodentocht d.h. Totesmarsch.






Die 100 Km sollten zu bewältigen sein.
Wenn das Wetter usw. alles OK wären, vielleicht sind dann die 10 Stunden sogar ein zu schaffendes Ziel.
Nach dem Brüder Grimm Lauf hatte ich mir ein paar Tage zum Ausruhen gegönnt.
Danach machten wir einen Radurlaub an der Werra entlang.
So konnte ich mein Lauftraining erst wieder Anfang Juli fortsetzen bzw. wieder anfangen.
Bis zum Start waren es dann noch 6 Wochen, die ich mit 2 x HM und 2 x langen Läufen zu ergänzen versuchte. Sonst waren 4 oder 5 Trainingseinheiten zwischen 10 und 15 Km in der Woche angesetzt.
Etwas mager für einen 100 Km Lauf, aber mehr Zeit hatte ich jetzt nicht mehr.
Eine Woche vor dem Termin bekam ich dann vom Veranstalter die Unterlagen.
Dabei auch eine Streckenkarte mit genauen Zeitangaben für die Kontrollstationen.





Jetzt konnte ich mir ein Bild von der Strecke machen und mir einen Zeitplan festlegen.
So sollte mein Plan aussehen:
Start – 21.00 Uhr
bis
Km 30 -- 24.00Uhr
Km 45 -- 1.30 Uhr
Km 60 -- 3.00 Uhr
Km 73 -- 4.20 Uhr
Km 83 -- 5.20 Uhr
Km 90 -- 6.10 Uhr
Km 100 – 7.10 Uhr


Für mich war die Sache eigentlich klar.
Flach, vielleicht ein paar Rampen, aber sonst nichts was mir größere Bedenken machen würde.
Natürlich das Wetter und die vielen Kleinigkeiten die bei 100 Km Lauf auftauchen können.
Der 10 August kam, wir ( Moni und ich ) fuhren mittags hier los.
Der Wetterbericht hatte für Belgien eine Besserung des Wetters angesagt, sodass die letzten Regentage nicht ausschlaggebend werden sollten.
Mit dem KFZ beladen für einen Kurztrip, auf der BAB Richtung Köln über Aachen nach Belgien. Südlich von Antwerpen liegt Bornem und ca. 20 km davor Mechelen, wo unser gebuchtes Hotel war. Die Beschreibung des Hotelführers war nicht so glücklich ins Deutsche übersetzt, aber ein freundlicher Belgier ( mit GPS ) lotste uns dann direkt zum Hotel. Einchecken und dann direkt nach Bornem um die Startunterlagen abzuholen.
Wir waren ca. um 18.00 Uhr in Bornem aber dort waren die Strassen im Stadtbereich schon gesperrt. Kfz abgestellt und dann in die Richtung gelaufen wo die ganzen Menschen ( Wanderer ) herkamen.
Auf der Hauptstrasse kam uns ein „ Umzug „ entgegen.
Trommler, Fahnenträger, Dudelsackpfeifer und Sargträger, ein beeindruckendes Bild!





Weiter auf dem Marktplatz war der Punk los!
Menschen ohne Ende, anstellen und warten.
Nachdem ich mir das Kontrollkärtchen abgeholt hatte ( sieht aus wie ein EC Karte ),
gingen wir wieder zum KFZ zurück, damit ich mir die Laufsachen anziehen konnte.
Die Entscheidung für Kurz/Kurz war nach dem Wetterbericht und dem jetzt hier herrschendem Wetter klar. Nachts sollte es zwar um 10 Grad werden, aber dann müsste ich nur etwas schneller laufen, damit mir warm wird.
Für den Notfall nahm ich noch 2 Energieriegel in den Socken mit.
Die Versorgung schien mir nach den Angaben des Veranstalters ausreichend, obwohl es auch Abschnitte über 7 Kilometer gab bis zur nächsten Verpflegungsstelle.
Nach dem wir versucht hatten Richtung Start zu kommen, gaben wir das Vorhaben aber bald auf. Wanderer ohne Ende, Straßenzüge soweit das Auge reichen kann voll von Tatendrang und weit vorne die Startschleuse mit den Läufern an der Spitze.



Was tun, zum Glück wurde durch einen Offiziellen ein paar sehr sportlich aussehende nach vorne geschleust, dem ich mich sofort anschloss. So kam ich dem Startpunkt schon sehr nahe. Pünktlich um 21.00 Uhr ging es los.
Genau, es ging los, mit Laufen war noch nicht zu rechnen.
Nach ca. 1-2 Kilometer war dann „ freies Feld „. Die Läufer waren unter sich.
Bei mir lief es prima, ich konnte mich an ein paar Läufer anhängen.
Ich hatte zwar keine Kontrolle wie schnell wir waren, aber es lief zügig und ich fühlte mich sehr gut.
Die Nacht brach jetzt herein und wenn wir außerhalb von Ortschaften kamen war es schon recht dunkel.
Bei Kilometer 30 hatte ich das erste Mal die Möglichkeit mein Lauftempo zu kontrollieren. Hier wollte ich nach ca. 3 Stunden vorbei kommen.
2:33 Stunden d. h. ca. fünfer Schnitt, was war los. Hatten mich die wenigen Läufer um mich herum so stark beeinflusst. Schnell auf die Bremse sonst sehe ich das Ziel morgen früh nicht mehr.
Ich musste mir andere Laufpartner suchen, das Angebot war nur nicht sehr groß.
Aber der Weg war noch weit.
Bei Kilometer 40 etwa konnte ich mich dann einer kleinen Gruppe anschließen.
Die an einer Getränkeversorgung zu kalten Getränke drängten mich dann zu einem Besuch im Feld. Danach war wieder alleine laufen angesagt.
Die Feldwege waren ohne Beleuchtung und eine Lampe hatte ich nicht dabei.
So musste ich mein Lauftempo auf die anderen Läufer mit Lampe einstellen, was mir dann mit drei Läufer/Innen auch gelang. Mein Tempo hätte ich sowieso stark reduzieren müssen, denn mein Anfangstempo war weit aus zu schnell.
Eine genaue Zeitkontrolle hatte ich zwar nicht mehr, aber wir liefen ganz gut zusammen.
Bei Km 45 war ich noch immer 15 Minuten zu schnell zu meinem Plan, bei Halbzeit war ich noch unter einem 6er Schnitt. Jetzt kam aber ein Hammer, die Beine wurden schwer, ach was, sie wollten nicht mehr. Das hohe Anfangstempo machte sich jetzt bemerkbar.
Die Luft war raus.
Kilometer für Kilometer wurde es schwerer.
Mein Zeitplan war schon weitweit weg.
Meine LaufpartnerInnen waren auch nicht so stabil, das jetzt noch einmal zum großen Schlag ausgeholt werden konnte.
Durch die gute Versorgung an den Verpflegungsstellen ( Suppe, Kuchen usw. ) konnte der Innere Schw…….hund noch im Zaum gehalten werden. Aber schwer war es auch die doch teilweise aufgeweichten Feldwege schadlos zu durchqueren und es bedurfte volle Konzentration.
Ein zusätzliches Malheur, fast lustig, passierte unserer Mitläuferin. Sie hatte einen Kontrollanruf von ihrer Familie auf ihrem Handy. Beim Wegstecken ist ihr das Handy in den Seitengraben ins Wasser gefallen. Ich versuchte es wieder heraus zu holen, holte mir dabei nicht nur einen durchnässten Schuh mit nassen Socken ( Spätfolgen Blasen ), sondern der Versuch fand auch noch in einer Böschung mit Brenneseln statt. Das Handy war nicht mehr zu retten, trotz mehrerer Versuche.
Meine Durchblutung war aber jetzt an beiden Beinen und Händen gesichert.
Die nächtliche Kühle spürte ich jetzt nicht mehr, die Brennnesseln waren mir noch lange ein Begleiter. Ein anderes Missgeschick, was mir aber schon lange sehr nervig war, hatte ich doch meine Laufuhr mangels Batteriestärke mit meiner Normaluhr nicht tauschen können. Die so ungewohnte Uhr machte sich sehr negativ bemerkbar und ließ mich doch manchmal an meiner Erfahrung zweifeln.
Die Kilometer schwanden dahin, aber einen guten Laufstiel konnte ich jetzt nicht mehr aufbauen. Der Morgennebel hüllte jetzt alles ein, so dass bei Abzweigungen, Kreuzungen wie auch Kurven mitten im Feld erst einmal mit neuer Orientierung man sich zurechtfinden musste. Erst bei den letzten 20 Kilometern, als die Sonne sich zeigte, fand ich wieder zu einem alten Rhythmus zurück. Auch merkte ich jetzt, dass es doch ein paar kleine Rampen auf der langen Strecke gab, denn der letzte große Bogen Richtung Bornem verlangte auch ein paar Höhenmeter ab.
Für mich noch ganz ungewohnt war der Zieleinlauf.
Hier war noch nichts zu spüren von den Massen der Zuschauer, den Läufern war es vorbehalten, einsam und alleine ins Ziel zu laufen.



Doch Moni hatte sich schon frühzeitig gegen 7.00 Uhr am Ziel eingefunden, denn ich hatte ja 10 Stunden im Plan gehabt.
Zeitnahme, Urkunde wie auch Präsente waren aber sofort erhältlich.
Meine Zeit 10 Stunden 42 Minuten.




Für mich kann ich nur sagen zuviel gewollt, die Erfahrung nicht berücksichtigt und man darf 100 Km nicht unterschätzen.

Dem Veranstalter kann ich aber gratulieren, eine solche Veranstaltung mit 9000 Teilnehmern so perfekt durchzuführen, Hut ab.










Wolfgang Sacher


© Wolfgang Sacher, 20.08.2007

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


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