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Stop, leider geschlassen!

 

Paul Stölben zum Hospiz Lauf Koblenz-Trier (22.07.2008) - Ultramarathon beim Steppenhahn (10.2000)
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Paul Stölben , 22.07.2008

Mein erster Ultramarathon

Als ich 2005 angefangen habe zu laufen war ich froh das ich vier Runden auf der Bahn geschafft habe. Das erste halbe Jahr bin ich nur in der Kaserne auf der Bahn gelaufen weil ich mich geschämt habe weil ich so langsam und untrainiert war und auch weil es sich einfach nicht gelohnt hat. Ich hätte ja immer nach ein paar Metern wieder drehen müssen um die Kaserne wieder lebend zu erreichen.
Wenn damals jemand zu mir gesagt hätte, poil in 2008 wirst du das erste mal bei einem Lauf die Kilometerzahl von 50 überschreiten, ich hätte ihn gefragt ob er noch alle Latten am Zaun hat. Aber es gibt ja Momente da ändert sich alles auch der Anspruch mal etwas mehr als das übliche beim Laufen zu erreichen.
Letztes Jahr war ich beim Start des Hospizlaufes am deutschen Eck dabei, und habe den Entschluss gefasst, da will ich nächstes Jahr auch dabei sein , nicht nur als außen stehender sondern als aktiver Teilnehmer mit auf dem Starterbild sein und am deutschen Eck stehen und mitlaufen. Wie weit ich laufen würde, da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Als ich dann letztes Jahr im November mit der Grundlagenausdauer angefangen habe war mir schon irgendwie klar, ein Supermarathon sollte es werden. Und wo hat man sonst bessere Bedingungen wie bei diesem Lauf, immer Begleitfahrzeuge dabei die für die Läufer die eigenen Getränke und die Verpflegung und den Turnbeutel transportieren. Als großes Plus kommt dazu es ist ja kein Wettkampf, also keine Startnummer und keine Zeitnahme. Jeder Teilnehmer kann dort einsteigen und aussteigen wo er will.
So habe ich dann mal angefangen fleißigst zu trainieren bis ende März, da haben wir beschlossen den Rennsteig anstatt als Marathon nur als Halbmarathon zu bestreiten. Schön. Umfänge runter und keine ultralangen Läufe mehr am Samstag. Das hier schon der Knick kommen sollte habe ich erst nach dem Lauf am letzten Freitag begriffen.
Irgendwann hat dann der Wolle gesagt och mein Traum wäre es mal über 30 km am Stück zu laufen, wenn du möchtest fahre ich mit dir nach Koblenz und laufe von da aus mit. Da habe ich doch direkt zugeschlagen und ja gesagt. Wenn man nicht so alleine ist unter vielen macht das bestimmt was aus, habe ich mir gedacht. Also hin zum Rennsteig den in einer guten Leistung absolviert. Und dann fängt das Ultra Training an. Am Anfang läuft es auch ganz gut bis zum dritten 30 km Lauf da will mein Körper einfach nicht mehr mitmachen uns sagt Ende der Vorstellung. Vor lauter Frust will ich das ganze schon abblasen. Aber jeder dem ich mein Leid klage meint ich sollte s einfach versuchen und dann aufhören wenn ich nicht mehr kann.
Und der Wolle meckert auch noch: ich habe extra das SWR 3 Partyschiff wegen dir abgesagt. Was sollte ich tun, die einzige Möglichkeit Start ab Koblenz.
In der letzten Woche vor dem Start war ausruhen angesagt noch zwei lockere Läufe und Vorbereitung auf den Starttag. Gels und Riegel kaufen, ebenso Cola und Mineralwasser. Aber wie viel braucht man wenn man im besten Fall 70 km laufen will. So habe ich wie immer viel zu viel dabei. Besser als zu wenig.
Freitags morgens noch letzte Sachen richten die Tasche packen und um 10:30 Uhr den Wolle abholen. Nicole kann mich ja leider nicht fahren, sie und der Fin sind krank, so muss dann mein Schwesterherz als Fahrer herhalten. Kein Problem. Um 11:15 am deutschen Eck angekommen ist da schon recht viel los und ich bin immer noch nervös. Viele Läufer und Radfahrer sind schon da. Jetzt nur die Ruhe bewahren noch ein wenig trinken, ein T-Shirt besorgen und abwarten.
Nervös bin ich schon seit dem aufstehen aber wie das immer so ist kurz vor dem Start wird es besser. Um zwei Minuten nach Zwölf fällt dann endlich das Signal zum loslaufen. Eigentlich relativ unspektakulär der Start, schade das so einem schönen Lauf nicht mehr Beachtung von der Öffentlichkeit und den Medien geschenkt wird. Sonst sind die bei jeder Kleinigkeit dabei. Aber so hat der Lauf auch über die Jahre seine Atmosphäre und seinen Charakter als Benefitz und Quassellauf erhalten. Inzwischen kennt man sich ja auch schon. Und das ist eine weitere schöne Sache. Hoffentlich bleibt es auch so.
Wie das immer so ist, man ist einfach erleichtert endlich geht’s los. Die Strecke bis zur Gülserbrücke kenne ich ja dann schon wie meine Hosentasche. Also nix neues. Wir laufen so im gemächlichen Tempo von 06:15 – 06:30 / km vor uns hin und spulen so km um km ab. Nach 12 km ist bei dem Hafenhotel in Winningen der erste Rast. Ich dachte immer wenn so ein Benefizlauf durchgeführt wird würde man freundlich empfangen. In Winningen nicht, die Chefin (oder war es nur eine Angestellte) hat sich aufgeführt wie sonst was, und komischer Weise waren wir die einzigen Fahrzeuge auf dem Parkplatz, haben also niemanden gestört oder behindert. Vielleicht ein Rat an die Madame, frag vorher was ist und dann kann man immer noch entscheiden ob man los wettert oder nicht. Ein freundlicher Empfang in einem Hotel sieht auf alle Fälle anders aus. Aber irgendwie haben wir das alle so hingenommen und weiter ging es an Kattenes, Löf vorbei wo wir dann die ersten Läufer verabschiedet haben. Bis nach Karden ist dann die Gruppe auf ca. 12 Läufer zusammen geschmolzen. Aber wir waren immer noch guter Dinge und außerdem haben wir ja hier schon den 40. ten Kilometer hinter uns gebracht. Hier ist dann auch mein Laufpartner für die langen Läufe Uwe Geese mit eingestiegen, der wollte so um die 30 km laufen heute. Die Beine schon etwas schwer aber bestens motiviert wollten wir in Pommern die nächste Rast machen. Und hier hatten wir doch tatsächlich km 42,2 erreicht, also Marathondistanz. Wir haben unseren Marathonneulingen heftigst gratuliert. Eine reine Laufzeit von 4;34 ist ja nun mal auch nicht die schlechteste.
Hier hat es dann auch schon mal angefangen in den Oberschenkeln und in den Waden zu zwicken, aber komischerweise war das immer nach ein paar Kilometern wieder weg.
Und Wolle hatte noch nicht genug, ich auch nicht. Auch wenn ich kleinere Probleme im Kniegelenk hatte wusste ich doch die 50 km werden heute fallen. So ging es dann auf die letzten neun km. Das Wetter blieb wie schon den ganzen Lauf über sehr angenehm. Aber nach zwei Kilometer melde sich das Knie wieder. Überlastung wie man mir später sagte. So was kann man nur mit langen Läufen beheben in dem man die Muskeln und Bänder an solche Distanzen gewöhnt. Sollte ich jetzt kurz vor Schluss dem nicht in Gänze durchgeführten Training Tribut zollen ?
Nein das hatte ich mir ja eigentlich als Minimum vorgenommen das ich die 50 knacken wollte, auch wenn es am Ende der letzten Woche nicht so ausgesehen hatte. So habe ich gebissen und gekämpft und es war schon ein emotionaler Moment wo wir in Cochem eingelaufen sind und ich wusste das ich es geschafft habe meinen ersten Ultra zu absolvieren.
Im nachhinein kann ich nur sagen für mich als Kopfmensch und zuviel Denker ist es gut das es solche Läufe in unserer Gegend gibt. Hier kann man unbeschwert und ohne großen Aufwand an Logistik wenn man einigermaßen trainiert ist schon schöne Ergebnisse erzielen. Ich für meinen Teil freue mich schon auf nächstes Jahr, denn dann will ich mit einer besseren Vorbereitung vielleicht noch etwas weiter kommen. Danke sage ich allen die mir geholfen haben das ich diese Strecke überhaupt geschafft habe, aber mein besonderer Dank gilt dem Wolle der sich aufgeopfert hat und mit mir nach Koblenz gefahren ist um von dort aus mit mir zu laufen das ich nicht alleine laufen muss.
Wenn man so darüber nachdenkt ist das schon klasse und die km sind ab km 30 nur noch so weggelaufen. Kein Hammermann und nix so kann es weiter gehen.
Weiter so.

© Paul Stölben, 22.07.2008

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