Zufälliges Zitat

"Mayday Mayday - The sun is going down"

Dan Coffee am 2. Abend in Hamm 2008

Nächster Ultramarathon

Bericht über Olne- Spa- Olne

Jobst von Palombini

Zum sechsten Mal bereits fand der für mich jetzt schon als Ardennenklassiker feststehende extrem schwere Crosslauf am Totensonntag, der in Belgien freilich keiner ist, statt. 176 Starter bedeuteten einen neuen Rekord für den Lauf. Knapp 1800 positive Höhenmeter erwarten die Abenteurer auf ihren beschwerlichen 64 km durch Feld, Wald und Wiese. Der Start ist um 8 Uhr vom Chalet de Levant Olnois, das sich als schlichtes Sportheim herausstellt. Das echte Chalet befindet sich in Soumagne, wo die auswärtigen Läufer fürstlich nächtigen konnten. Es ist eine Jugendherberge, die sich in einem Schloß befindet, das umgeben ist von einem Burggraben und nach vornehm-langer Auffahrt erreichbar ist. Um 8 also der Start, der dadurch erfolgt, daß alle loslaufen - ein Signal hörte keiner. Am Ende sprangen dadurch einige Plussekunden heraus.

Gleich die ersten Kilometer sind tückisch. Es regnete nicht nur am Lauftag unaufhörlich, sondern auch in den Tagen zuvor, so daß die crossigen Passagen oft einer Rutschpartie gleichen. Die erste Hälfte des Laufes ist in dieser Hinsicht schwieriger als die zweite. Nachdem wir mit quietschnassen Füssen einige sehr lange und schwere Steigungen überwunden haben, gelangen wir bei km 15 an die erste Verpflegung. Die Spitze ist mir gerade entfleucht. Ich weiß nicht, wie schnell ich bin, da ich stets ohne Uhr laufe, aber es muß wohl ganz gut sein. Es folgt ein Stück Straße, bevor es im Wald entlang eines Bachlaufes lange nicht ungefährlich bergab geht. Dann nähern wir uns auch schon Spa, von dem wir so gut wie nichts sehen werden. Nach der Verpflegung bei 30 km mit Reis und Elektrolytgetränk schlängelt sich der Weg lange hinan - die Beine signalisieren erstmals deutlich, daß der Lauf seinen Tribut fordern wird. Ich bin noch Neunter, was mich erstaunt und was sich schnell ändert, denn einige Belgier laufen sehr klug und ziehen im Dreierpack bei 35 km locker an mir vorbei.

Die nächste Verpflegung befindet sich auf der Höhe einer Burg. 40 km sind geschafft, und ich fange schon an zu knautschen. Zum Glück überholen mich dann nur noch zwei, von denen der eine bei 50 km beschließt, die nicht endend wollenden Steigungen zu Fuß kleinzukriegen. Ich habe auch eine gewaltige Krise, aber irgendwie geht es immer weiter - öfter auch im wörtlichen Sinne. Genießen können wir nur wenig, da Nebel über dem Land liegt und der Untergrund oft sehr die Sinne fordert. Bei der vierten und letzten Verpflegung ist die Freude über eine unverhoffte Büchse Cola bei mir groß. Immer ultraschlappschrittiger laufe ich weiter - der Lauf wird keineswegs leichter. Ein Belgier scheint es bei 58 km zu merken, daß ich bei einer erneuten unerwarteten 1 km langen Steigung durch moddrigen Schlamm nicht mehr nur frohgemut dreinblicke und schreit mir zu: tres jolie, le parcours, un bien matinee! (Schöner Kurs, ein toller Vormittag!). Es hilft ein bißchen, und bald ist km 60 erreicht. Nun ist jeder Kilometer markiert und jeder Kilometer nochmal ein Meilenstein zum Ziel, denn just bei 62 km wartet erneut ein ca. 1 km langer Anstieg auf uns. Schließlich laufen wir auch nicht 63,3 sondern komma 9 Kilometer, was der Veranstalter auf der Ausschreibung verschwieg. Ich wußte es zum Glück vom letzten Jahr. Als 13. laufe ich völlig erledigt ein.

Ins Ziel kommen 142 von 176 Startern. Wie im Vorjahr stieg also rund jeder fünfte aus. Der Sieger Brassart aus Belgien brauchte 4:51, was einem fantastischem Schnitt von 4:30/km entspricht. Der Kurs ist ja - was nur die Höhenmeter angeht- doppelt so schwer wie der 50er in Georgsmarienhütte. Ein 3:10 Marathontempo auf dieser Strecke durchzulaufen ist eine extrem gute Leistung. Der 8. des Rennens wurde Thomas Drössler aus Wittstock in 5:26, was einem 5er Schnitt entspricht.

Er verfügt immerhin über eine Bestzeit von 2:36 im Marathon. 7 Deutsche erreichten insgesamt das Ziel, von denen 6 den Lauf zum ersten Mal bestritten. Eine Holländerin gab mit der Begründung auf, sie dächte, es sei ein Wandertag. Bei 15 km wären dann aber alle schon weg gewesen. Der Lauf ist nur für extreme Cross- und Cross- und Steigungsliebhaber zu empfehlen; ist dem so, erfüllt er aber alle Erwartungen.
J. v. P.

© Jobst von Palombini jobst.palombini@uni-bielefeld.de