Zufälliges Zitat

"This isn't something you die for once. You die eighteen times, every single day"

Trishul Cherns, 1300-Mile-Race

Nächster Ultramarathon

Arnd Jünemann , 21. September 2004

Last is just the slowest winner

P-Weg-Ultramarathon 67,0 KM am 11.09.2004

Ein Laufbericht von Arnd Jünemann, Lüdenscheid

Ich muss gestehen, die Internetpräsentation des P-Weg-Teams hatte mich neugierig gemacht. Nach dem Motto "Wandern, Laufen, Biken" sollte am Wochenende 11./12. September 2004 unter anderem am Samstag, dem 11.09. auch ein Ultramarathon über die Distanz von 67 Kilometern inklusive 1.750 positiven Höhenmetern in der Nachbarstadt Plettenberg angeboten werden. Klasse, endlich mal keine lange Anreise, denn Plettenberg ist gut 20 Kilometer Luftlinie von meiner Heimat im schönen "Sauerländle" entfernt - da kommt Freude auf!!

Weiteren Appetit auf die "bergige" Streckenführung mit dem anspruchsvollen Höhenprofil machten im Vorfeld die "Impressionen vom P-Weg", die Sebastian Tengler auf seiner Homepage www.tengler.org über die einzelnen Teilstrecken, die er in Trainingsläufen absolviert hatte, in Schrift und Bild präsentierte.

Eines vorab: Ja, ich habe es geschafft:

41. und damit letzter Finisher des P-Weg-Ultras (Laufzeit:10:04:41 Stunden) und damit meinen Lieblingsspruch in die Tat umgesetzt (Oder besser: Gelaufen!).

Aber der Reihe nach:

Weil die Sauerländer von Natur her ein vorsichtiges Völkchen sind, fuhr ich daher mit meiner kleinen Familie (Andrea und Pierre) schon mal am Freitag Nachmittag nach Plettenberg um die persönlichen Startunterlagen für den "P-Weg-Ultra" rechtzeitig in Empfang zu nehmen. Dies erwies sich im nachhinein betrachtet auch als recht weise Entscheidung, denn die Ausgabe der Startunterlagen dauerte aufgrund des subjektiv empfundenen umständlichen Verfahrens sehr lange. Jedoch war dieser Umstand, wie ich später erfuhr, kein Verschulden des Veranstalters, sondern darauf zurückzuführen, dass die für die Zeitmessung verwendeten Transponder erst um 16:30 Uhr angeliefert worden waren und somit eine Vorsortierung nach Startnummern nicht mehr möglich gewesen war. Am Morgen vor dem Start hätte mich das ganze Procedere wohl ziemlich nervös gemacht...

Danach zurück nach Lüdenscheid, eine kleine private "Pastaparty" in der Größenordnung XXL, den Wecker gestellt und im Anschluss früh in die "Falle", denn der Start für die Marathon- und Ultradistanz sollte bereits um 07:30 Uhr am Morgen erfolgen.

In der Nacht dann ein nettes kleines Gewitter, verbunden mit einem ergiebigen "Sauerländer Landregen", der dafür sorgen sollte, dass die Strecke gut durchnässt war und auch einen echten Trailcharakter erhielt ("No Matsch, No Fun !").

Am Samstag fuhr ich mit meinem Van gegen 06:00 Uhr in Lüdenscheid los und während der Fahrt natürlich auch wieder einige Tropfen Regen. In Plettenberg angekommen, ergatterte ich mitten in der Stadt einen Parkplatz in der gebührenpflichtigen Zone mit einer Höchstparkdauer von 30 Minuten etwa 100 Meter vom Startbereich entfernt. "Pole-Position", das ist doch auch mal was!! Nachdem mir ein Helfer der Veranstaltung ohne Gewähr freundlich versicherte, dass die Wahrscheinlichkeit eines Abschleppens durch die örtliche Stadtverwaltung heute eher gering wäre , entschied ich mich, den Wagen auch dort zu lassen.

Der Regen hörte Gott sei Dank auf und ich entschied mich bei einer Temperatur von angenehmen 15°C in der "kurzen" Laufmodevariante -Singlet und Shorts- an den Start zu gehen. Dazu meine geliebten Trailschuhe der Marke "Salomon XA Pro" in der bewährten Wasserverdrängungsgröße US 14 sowie meine alte weiße Laufkappe und ein Trinkflaschengurt mit 0,5 Liter Volumen für den Notfall. Inhalt: Selbstgebrautes Magnesiumwasser.

Das relativ überschaubare Starterfeld der "Marathonis" und "Ultras" wurde dennoch in Blöcke eingeteilt und, nachdem uns der Starter seinen persönlichen Respekt bekundet hatte, mit einer kurzen Startverzögerung in die Sauerländer Berge geschickt, die "Ultras" vorneweg.

Die ersten 500 Meter zum "Einlaufen" flach durch die Plettenberger Innenstadt, dann erfolgte die erste "Bergwertung": Der Aufstieg zum "Tanneneck" mit etwa 150 Höhenmetern, gleichmäßig verteilt auf ca. 1,2 Kilometer Länge. Bereits hier setze ich meine persönliche Taktik, die Steigungen zu Walken, in die Tat um, frei dem Motto "Körner sparen, der Weg ist lang". Damit war ich jedoch nicht allein und so ergab sich ausreichend Zeit für die Begrüßung von Frank Wolff, einem "Running Pur"-Testläufer, den ich im Jahr 2002 beim "German 100-Mile-Trail-Race" in Landwehrhagen getroffen habe. Und ich lernte Bernhard Sesterheim kennen, der mit seinem auffälligen "Marathon des Sables"-Buff den ersten Berg erklomm. ("Lieber Bernhard, wenn Du wüsstest, wie oft ich Deinen Bericht vom "Grand Raid de la Reunion 2003" schon verschlungen habe!!!") Auf dem "Gipfel" erwartete uns übrigens eine überdimensionale aufgeblasene "Milka-Kuh" , die wir, nun wieder laufend, passierten.

Die abwechselungsreiche crossartige Strecke führte weiter einige Kilometer bergab und nach Durchquerung der Ortschaft Pasel begann der Anstieg über die sogenannte "Plettenberger Mauer": Mit einer Distanz von etwa 4 Kilometern und weiteren rd. 300 positiven Höhenmetern sowie Steigungen mit teilweise über 20 % hinauf zur Hohenwibbecke wurde Streckenkilometer 10 erreicht , wo Nebel und tiefhängende Wolken die ansonsten grandiose Sicht verschleierten.

© Sebastian Tengler 2004

Danach ein relativ "flaches" Teilstück über einen Höhenrücken in Richtung "Am Birnbaum" bei Streckenkilometer 16 und weiter bergab über eine Trailpassage zur Ortschaft Teindeln wo nunmehr insgesamt 22 Kilometer absolviert waren. Auch hier wie auf der gesamten Strecke eine aus meiner Sicht optimale Verpflegung mit allem was das "Läuferherz" oder besser der "Läufermagen" begehrt (Tee, Iso, Cola, Wasser, Bananen, Äpfel, Nüsse, Rosinen, Kuchen.......), serviert durch freundliche ehrenamtliche Helfer der Plettenberger Vereine, die mit Ihrem persönlichen Einsatz wesentlich zum Gelingen dieser Veranstaltungspremiere beigetragen haben.

Ab dem Versorgungsstand in Teindeln hatte ich auch wieder nette Gesellschaft auf der Strecke. Zusammen mit einem "barbäuchigen" Marathoni wurde zunächst die Lenne auf einer alten Holzbrücke überquert und schon kam der nächste Aufstieg: Weitere rd. 300 Höhenmeter führten über Selscheid in Richtung "Grävinglöh" (rd. 510 Meter über NN), wo bei Kilometer 33 die Streckentrennung der Marathon- und Ultradistanz erfolgte. Für die Ultraläufer galt hier übrigens ein Cut-Off-Limit von 5,5 Stunden.

Kurz vor "Grävinglöh" , pünktlich um 11:30 Uhr kam dann endlich das, was ich im Prinzip schon seit dem Start am frühen Morgen vermisst hatte: Der "Sauerländer Landregen" setzte wieder ein - ergiebige Wassermengen, die insbesondere die nun folgenden zahlreichen Trailpassagen lauftechnisch noch etwas anspruchsvoller gestalteten.

Um 11:40 Uhr ("Voll im Zeitplan!") erreichten wir "nass wie die Katzen" den Streckenposten am "Grävinglöh" und ich verabschiedete mich von meinem Begleiter. Kurze Verpflegungsaufnahme , Smalltalk mit einem Sanitäter und es "ging" alleine weiter über matschige und nasse Trails bergab in Richtung Hüinghausen.

Hier begann nun meine "Einsamkeit des Langstreckenläufers": Die kleinen Unterhaltungen fehlten mir, der Regen hatte meine Kleidung vollkommen durchnässt und ich hatte noch über 30 Kilometer vor der Brust. Und ich erwischte mich doch tatsächlich bei dem Gedanken, den Lauf irgendwo bei Kilometer 40 vorzeitig zu beenden. Irgendwie ließ auch dann die Konzentration etwas nach und auf dem nassen, steilen und steinigen Trail kurz vor Hüinghausen passierte es: Ich stürzte zwei Mal! Aber nichts passiert - Glück gehabt!! Ich entschied mich jedoch trotzdem, den Rest der Strecke nur noch walkend zu absolvieren, um irgendwelchen Verletzungen vorzubeugen. Und: Ich hatte ja auch bis zum Zielschluss (20:00 Uhr) bezahlt!! "Einen Gang runterschalten" und den Lauf als Trailwalker genießen - diese Erkenntnis könnte auch eine natürliche Folge des Altersklassenwechsels in die M45 im Dezember 2003 gewesen sein! ;-)

Der Regen hatte aufgehört und nach der Ortschaft Hüinghausen erfolgte der Aufstieg zum "Dingering" , eine "brutale" Trailpassage, die mit etwa 180 Höhenmetern durch ein morastiges Waldstück führte. Oben angekommen führte ein weiterer holpriger Trail hinab nach Himmelmert. Auch auf diesem Teilstück hatte ich einmal einen kurzen ganzkörperlichen Bodenkontakt!

Dann ein persönliches Highlight des Events: Die Versorgungsstation in Himmelmert! Freundliche Menschen mehrerer Generationen, die in der Sonne sitzend freundlich applaudierten und mich mit Getränken, Obst sowie mit Schmalz- und Käsebroten versorgten. Das war Klasse!! Ich wäre gerne länger geblieben, aber ich musste weiter...

Über schmale Gassen ging es hinauf zur Oestertalsperre. Ein Pfad oberhalb der Straße führte zum Zulauf der Talsperre. Hier hörte ich auf einmal ein Motorengeräusch mitten im Wald! Hinter mir tauchte ein "MSP" (=Motorisierter Streckenposten) auf einer Enduro auf und erkundigte sich nach meinem Befinden.

Es entwickelte sich der folgende kurze Dialog:

"Alles in Ordnung?"

"Ja, alles ok!"

"Du bist Drittletzter! Es sind noch zwei hinter Dir!" (Das klang logisch!!)

"Aber die Beiden werden wohl aussteigen!!" (Sch.. !! Dann war ich Letzter und hatte die "rote Laterne" inne!)

Aber es kam mir auch gleich wieder mein Lieblingsspruch in den Sinn: "The last is just the slowest winner!"

© Sebastian Tengler 2004

Also weiter und den Spruch in die Tat umsetzen!! An Aufhören dachte ich von nun an keinen Moment mehr!! Motivation durch den Lieblingsspruch!!!

Nach Querung der Hauptstraße folgte der Oesterrandweg bis der Weg nach einem DLRG-Häuschen nach rechts in das Ebbe-Gebirge abbiegt. Ziemlich steil führte der Weg auf einer Strecke von rd. 3 Kilometern über 300 Höhenmeter auf den Ebbekamm, wo mit einer Höhe von rd. 600 Metern über NN das "Dach" des P-Weg-Ultramarathons erreicht war. Auch hier bei Kilometer 45,5 freundlicher 1a-Streckenservice via Wohnmobil.

Und wo es hinauf geht, geht’s auch wieder hinunter!! Diesmal über steiniges Geröllterrain garniert mit Wurzeln und Matsch. Landschaftlich der schönste und aus meiner Sicht läuferisch der anspruchvollste Teil des P-Weges. Merke: Auch im Sauerland kann man Trittsicherheit trainieren!

© Sebastian Tengler 2004

Weiter über Windhausen mit herrlicher Fernsicht auf die Biggetalsperre in Richtung Hochsauerland.

Danach wunderschöne Passagen durch Fichten- und Laubwälder über Landemert und Tanneneck hinab Richtung Plettenberg. Bei Kilometer 59,9 (!) ein letzter Streckenposten an dem ich noch kurz verweilte und verbrauchte Energie durch Kalorienzuführung ausglich. Eine etwa 8-jährige "Blondine" musterte mich interessiert und stellte nach ausgiebigen Blick auf meine verdreckten Füße fest, dass ich heute Abend aber unbedingt noch "Schuhe putzen müsse!" Das hab ich ihr dann auch versprochen....

Der letzte Kilometer durch die Plettenberger City, wo reges Treiben herrschte. Es geht doch nichts über einen "Einzelzieleinlauf", insbesondere dann, wenn man Letzter ist!!

Ein paar Kurven durch die Einkaufszone, eine letzte Rechtsbiegung und der Zielkanal war in Sicht:

"Da kommt noch einer!!!" Applaus aus den Straßencafes!! Ich musste grinsen...

Schnell war ein Streckenposten zur Stelle, der mir den Transponder vom Fuß entfernte.

Bezeichnend für den P-Weg-Ultra war jetzt, dass man zur Überreichung des Finisher-Shirts über eine kleine Rampe auf eine Bühne steigen musste!! Der letzte Höhenmeter nach Zieleinlauf!

Leider war meine kleine Familie, die schon seit über 2 Stunden auf mich im Zielraum gewartet hatte, just in diesem Moment auf einem Örtchen mit der Bezeichnung "Dixie"!!

Geschafft: "Laufzeit" 10:04:41 Stunden 41. Finisher und damit letzter Platz.... aber es hat einen Schweinespaß gemacht!!

Persönliches Fazit: Eine klasse Veranstaltung mit guter Organisation direkt vor der Haustür mit einem Streckenprofil, wo die Bemühungen des Veranstalters erkennbar waren, möglichst wenig horizontale Passagen in die crossartige Strecke einzubauen. Dazu ein exzellenter Streckenservice mit Topverpflegung.

Jeder, der anspruchsvolle Landschaftsläufe liebt, sollte sich daher den P-Weg-Ultra für 2005 unbedingt im Laufkalender vormerken.

Wir sehen uns im "Sauerländle"!


© Arnd Jünemann, Lüdenscheid, den 21. September 2004

(Vielen Dank an Sebastian Tengler für die freundliche Überlassung des Photomaterials!
www.tengler.org)

Weitere Info's und Berichte zum Lauf: