Zufälliges Zitat

"Ein 10.000-Meter Lauf ist ein Wettkampf, ein Marathon ist eine Erfahrung, ein Ultra ist ein Abenteuer."

Bryan Hacker

Nächster Ultramarathon

"No Matsch, No Fun!"

2. German 100-Mile-Trail-Race am 4./5.5.2002 in Landwehrhagen

Ein Laufbericht von Arnd Jünemann

Natur im Wasser :-)
"Der German 100-Miles-Trail-Run ist der Kategorie nach (bis auf wenige Gegenstrecken) one big loop, also eine große Landschaftsrunde..... Single trail, einsame Pfade, Wald- und Wiesenwege und Forststraßen prägen diesen Naturlauf."


Der Text der Ausschreibung auf der Homepage des Marathon-Club Kassel, die ich "zufällig" im November 2001 beim Surfen im Internet entdeckte, faszinierte mich. Landschaftsläufe sind seit der Teilnahme beim "Bieler Hunderter", dem "Monschau-Marathon" und dem "Röntgenlauf" in Remscheid seit dem Jahr 2001 "mein Ding" geworden.

Die Teilnehmerzahl für diesen Ultralauf am 04./05.05.2002 in Landwehrhagen war auf insgesamt 25 Starter(innen) limitiert, eine Internetanmeldung war eingerichtet, jedoch mit dem Hinweis, dass die Vergabe der Startplätze nach dem "Windhundverfahren" erfolgt. Frei dem Motto: "Wer zuerst klickt, läuft zuerst!" Eine Benachrichtigung würde des weiteren erst Mitte Februar 2002 erfolgen. Intuitiv und schnell war die Anmeldung ausgefüllt und der Mausklick auf den Button "Senden" war noch schneller! Gleichwohl rechnete ich mir persönlich kaum Chancen auf eine Zusage aus.....

Arnd Jünemann in Hersfeld

Im Dezember begann ich mit dem Wintertraining, überwiegend Grundlagenausdauer mit einem wöchentlichem Pensum von 80-100 Kilometern. Mein Wohnort Lüdenscheid, Märkischer Kreis, liegt im Sauerland, so dass ich meine Trainingseinheiten im profilierten Gelände zwischen 250 und 560 Metern über NN absolvieren kann. Gerade die Läufe am "Berg" machen mir dabei besonders viel Spaß.

Nach einigen Wochen Grundlagentraining in den schönen Lüdenscheider Wäldern erreichte mich am 21.01.2002 völlig unvorbereitet eine E-Mail vom Veranstalter, der deutschen "Ultralauf-Legende" und dem "100-Meilen-Freak" Dr. Hans-Dieter Weisshaar, der mir bestätigte, dass ich aufgrund meiner frühen Anmeldung beim 2. German 100-Mile-Trail-Race einen Startplatz erhalten hätte!! Alles weitere würden die Teilnehmer erfahren, wenn er Mitte Februar wieder in Deutschland wäre!!

Die persönliche Freude war natürlich groß, doch parallel dazu machte ich mir schon reichlich Gedanken, ob ich mir nicht doch etwas zuviel zutrauen würde?! Denn......:

Einhundert Meilen = (gleich) Einhundertsechzigkommaneun Kilometer, "das ist doch die Strecke von der BAB Lüdenscheid-Süd auf die A45 über das "Gambacher Kreuz" und weiter über die A5 bis nach Frankfurt!!" Und ich, 43 Jahre alt, ein eher mittelmäßiger Ausdauersportler, der erst vor vier Jahren mit dem intensiven Lauftraining begonnen hatte und dabei das Körpergewicht um rd. 21 Kilogramm und das Körperfett auf aktuell 16% reduzierte, mit am Start?! "Jünemann, Du bist bescheuert!!" Doch schnell beiseite damit, ich habe doch noch 14 Wochen Zeit - positives Denken ist angesagt!!

Also begann ich mit einer intensiven Vorbereitungsphase, in der ich die meisten Läufe allein absolvierte. Kürzere Einheiten in der Woche, einige mit meinen "Girls" vom Lauftreff, viele davon in der Dunkelheit mit Stirnlampe. Die langen Dauerläufe verlegte ich auf die Wochenenden, in der Regel sowohl Samstags und Sonntags, teilweise mit leichtem Gepäck in Form eines "Camel-Bags" mit integrierten Trinksystem. Im Februar und März fiel einiger Schnee, so dass auch wunderschöne lange Läufe in der weißen Natur möglich waren. Die Streckenauswahl habe ich dabei oft variiert und insbesondere auf entsprechende Höhenmeter geachtet. Das langsame Laufen ohne Stress war ein richtiger Genuss und ein schöner und auch notwendiger Ausgleich zu der täglichen, überwiegend sitzenden Tätigkeit im Büro!!

Ergänzend habe ich mich intensiv mit mentalen Trainingsformen wie z.B. Visualisierung beschäftigt! Der wöchentliche Trainingsumfang wurde auf rd. 110 Kilometer ausgebaut, die Intensität jedoch nicht.

Da die Teilnahme an einem "Frühjahrsmarathon" verständlicherweise nicht mit meinem Ziel, einen 100-Mile-Trail-Run zu finishen korrespondierte, entschloss ich mich daher, im Vorfeld an zwei Veranstaltungen über "Ultradistanzen" teilzunehmen, um das langsame Laufen über größere Strecken auch außerhalb des wöchentlichen Trainings zu "üben".

Der erste Start erfolgte dann am 24.03.2002 beim 7. Supermarathon am Edersee, wo ich bei widrigen Wetterbedingungen und Temperaturen von knapp über 2° C über die Distanz von insgesamt 50 Kilometern im profilierten Gelände in einer Zeit von 5:46 Stunden gelaufen bin.

Die zweite Veranstaltung war der 6-Stunden-Lauf in Bad Hersfeld, wo ich am 7.4.2002 auf einem abwechselungsreichen Parcours mit einer Rundenlänge von 1.980 Metern insgesamt 52,823 Kilometer absolvierte. Als beachtlich habe ich dabei die jeweils kurze Regenerations-Phase danach empfunden, denn schon am nächsten Tag war leichtes Joggen über 6-8 Kilometer zum Laktatabbau ohne Beschwerden möglich.

Die nächsten Wochen vergingen wie im Fluge - weiterhin bestimmten die langsamen Läufe mein Training. Auch der Umfang der erreichten Höhenmeter, die ich täglich neben den anderen Trainingsparametern akribisch notierte, nahm stetig zu. Und ich blieb, wie die letzten vier Jahre, von Verletzungen und "Zipperlein" verschont!

Dann kam der Tag X - die Anreise nach Landwehrhagen (bei Kassel) am 03.05.2002 dauerte insgesamt knapp 2 Stunden. Schon weit vor der Abfahrt von der Autobahn A7 in Richtung Staufenberg fiel mir die wunderschöne Landschaft auf. Bewaldet, hügelig - und damit für Läufer aus dem "platten Land" eher bergig - ein Profil fast wie mein Trainingsgebiet zuhause!!

Fast hätte ich es vergessen - es begann zu regnen! Auch wie daheim!! Nur sollte dieser Regen, wenige kurze Unterbrechungen ausgenommen, mehr als die nächsten 30 Stunden nicht aufhören!

Hans-Dieter WeisshaarUm 17:00 Uhr war an diesem Tag noch ein Treffen aller Starter(innen) im Hause von Hans-Dieter angesagt, wo wir beim sogenannten "Briefing" alle wesentlichen Informationen über die Strecke, deren "Loops" (Runden) wir bis dahin schon auswendig kennen sollten, erhalten würden. Na ja, das mit dem "Auswendiglernen" ist schon in der Schule nicht so meine Sache gewesen!! Aber dazu später mehr! Eines noch vorab: Zum Glück wurden unsere Streckenkenntnisse später nicht abgefragt!!

Doch etwas, oder besser gesagt reichlich nervös, parkte ich meinen Van und begab mich zur Kronenhofer Str. 28 in Landwehrhagen, dem Treffpunkt. Der Schlüssel steckte von außen - nett, einfach rumdrehen und ich war schon "drin"! (Wie damals im Internet!!) Im riesigen Vorflur hieß es "Schuhe aus" und jeder Neuankömmling wurde herzlich begrüßt. Wir erhielten jeder ein Namensschild, das, nur mit unserem Vornamen versehen, die Kommunikation am Abend deutlich erleichtern sollte.

Insgesamt waren wir 24 Starter(innen) - zwanzig deutsche Teilnehmer, darunter als einzige Frau, Heike Pawzik (Rostock), Mitglied des deutschen Damen-Nationalteams. Zwei Läufer und eine Läuferin aus den USA sowie ein Läufer aus Kanada, alle in der vergangenen Nacht erst angereist und mit dem "Jet-Lag" kämpfend, vervollständigten das Feld.

Stephan Hloucal und Laika in LaplandFast hätte ich sie vergessen: "Laika", die Husky-Hündin und ständige Begleitung bei Ultraläufen von Stephan Hloucal aus Erfurt war natürlich auch dabei.

Im Erdgeschoss des Hauses erhielten wir deutschen Teilnehmer von Hans-Dieter exakte Instruktionen über den Verlauf der Strecke(n), aber auch deutliche und mahnende Hinweise, diese nicht zu unterschätzen und mit dem nötigen Respekt und der entsprechenden Vorsicht anzugehen! "Dies ist kein City-Marathon! Über Asphalt laufen könnt Ihr überall, durch den Matsch laufen könnt Ihr hier!" "Versucht es, wenn es eben geht, in der Nacht nicht alleine zu laufen sondern mindestens zu zweit!" Diese Sätze prägten sich bei mir ein!

Aber ein Fakt stand in der Ausschreibung - habe ich zumindest nicht entdecken können - übrigens nicht: Die Strecke hat insgesamt über 2.300 Höhenmeter, davon, so die grobe Schätzung, rd. 890 Höhenmeter auf der ersten Loop (50 Kilometer)!!

Zuletzt noch die örtliche Wettervorhersage: "Heute Abend, Nachts und Morgen im Tagesverlauf Regen!" Das kann ja heiter werden!! Erinnerungen an Biel und Remscheid 2001 wurden wach.

Nach dem "Briefing" wurden wir köstlich bewirtet - Hans-Dieter, seine Frau Susi und ein kleines emsiges Helferteam hatten Berge von Leckereien zubereitet: Spaghetti, Salat, Wurst, Käse und alles was das Läuferherz sonst noch so begehrt, wurden in riesigen Mengen gereicht und natürlich auch nach Selbstbedienung verzehrt!! (Danke, das war köstlich!!)

Im Anschluss, als sogenanntes Abendprogramm, zeigte uns der sympathische Markus Müller, einer von 5 deutschen Teilnehmern beim Transkontinentallauf "Race Of Fire" 2001 durch Australien, in relaxter Atmosphäre einen beeindruckenden Dia-Vortrag über den Verlauf dieses Rennens. (Auch Dir dafür schönen Dank Markus!!!)

Gegen 21:30 Uhr begann ich dann meine Laufutensilien "endgültig" zu ordnen (Kurze Anmerkung: Meine Freundin Steffi wundert sich immer, was Läufer so alles benötigen!!?)

Meine neue Gürteltasche, Packvolumen rd. 5 Liter, wurde mit den "notwendigsten" Ausrüstungsgegenständen gefüllt: Trinkflasche (1 Liter), jede Menge Energie-Riegel und Power-Gels, Mütze, Handschuhe, Vaseline, Sanitätsausrüstung und Blasenpflaster, Trillerpfeife, Toilettenpapier, Stirnlampe nebst Ersatzbatterien, Kompass und Kartenmaterial sowie ein Handy und andere Kleinigkeiten fanden ihren Platz!! Alles weitere wie Wechselkleidung, Schuhe, noch mehr Ersatzbatterien, Carbo-Gels und andere "überlebenswichtige" Dinge" deponierten wir in den sogenannten "Drop-Bags", die, mit unserem Namen und Startnummer versehen, entweder in Landwehrhagen oder im flexiblen Wohnmobil (=Bus) auf die "100-Meiler und solche, die es werden wollen" warteten.

Nach einer relativ kurzen Nacht, in der ich vor lauter Aufregung auch nicht den nötigen Schlaf hatte, den ich mir gewünscht habe, wurde ich gegen 6:00 Uhr wach!! Erster Gedanke: "Das Geräusch kenn ich doch!!" Na klar, der Regen prasselte unaufhörlich - die Wettervorhersage hatte Recht gehabt!!

Somit fiel mir die Wahl der "richtigen" Laufkleidung nicht schwer: Longtights, Funktionsshirt und eine leichte Laufjacke sowie robuste Trail-Schuhe in der Größe US 14 (deutsch: 49) wegen der besseren Wasserverdrängung.

Nach einem leichten Frühstück, bestehend aus Banane, Riegel und 2 Tassen Kaffee, schnallte ich meine doch etwas schwer gewordene Gürteltasche um und begab mich gegen 07:30 Uhr mit meinen "Drop-Bags" an den Startbereich, wo diese deponiert werden konnten.

Ein kurzer Plausch hier und dort, eine gewisse Nervosität kann ich nicht leugnen, aber das ging wohl allen so. Gestartet werden sollte pünktlich (nach Funkuhr!) um 08:00 Uhr, also langsam Zeit, die Startaufstellung zu formieren.

Ein letztes Photo und das überschaubare Starterfeld setzte sich pünktlich in Bewegung! Die ersten zweihundert Meter auf der Straße, dann der zweite Feldweg links und ab in die Natur, Loop 1 mit einer Rundenlänge von 50 Kilometern hatte begonnen!! Bereits nach wenigen Minuten zog sich das "Feld" auf dem Feld ganz schön auseinander - aber auch ein kleines Feld hat ein letztes Drittel und dort hielt ich mich auf! Nach Kilometer 1 ging es hinein in den Wald, die Qualität des Laufuntergrundes entsprach dem Wetter: Matsch, Matsch und noch mehr Matsch!! Ein stetiges auf und ab, sowie Wurzeln, Steine, Bäche und andere diverse Hindernisse ließen nur selten einen gleichmäßigen Laufrhythmus zu. Meine Durchgangszeit an der "Aid-Station" (=Versorgungsstation) bei Kilometer 10 betrug exakt 1:20:35 Std. - voll im Plan!!

Der nächste Zwischenstopp bei der Ortschaft Nieste (Rennkilometer 17) erfolgte nach 2:34:20 Std., das entspricht einem Durchschnitt von bis dato rd. 9 Min/km, klingt langsam - war es auch, aber ich wollte ja auch noch 143,9 Kilometer laufen!!

Die Streckenführung war wunderschön und abwechselungsreich, aber bereits zu diesem Zeitpunkt ahnte ich, was der "Trail-Run" für ein "Kaliber" sein würde - meinte ich zumindest!!

Bis Kilometer 33 entlang dem "Herkules-Pfad" (X7) und dem "Frau-Holle-Pfad" (X4) lief ich allein - doch bereits bei Kilometer 20 hatte ich eine Dreiergruppe entdeckt, die im Abstand von ungefähr 500 Metern vor mir lief - je nach Streckenabschnitt hatte ich Sichtkontakt und an der Versorgungsstation bei Kilometer 33 "lief" ich auf die Gruppe auf!! Es waren Heike Pawzik, Rüdiger Binsch und Hans-Arved Schneider, alle drei erfahrene "Ultraläufer".

Direkt nach der Verpflegungsstation ging es steil bergauf in Richtung "Haferberg" (580 m), so dass ein strammes Walking angesagt war! Da ich dieses "Tempo" gut mithalten konnte, blieb ich bei der Gruppe - dies sollte, bis auf eine Unterbrechung, auch bis Kilometer 100 so bleiben!

Bei Kilometer 42 (der erste Marathon!!) ging es auf den "Postweg", der infolge des Dauerregens logischerweise auch überwiegend aus Matsch, Wasser und noch mehr Matsch bestand - irgendwo bei Kilometer 44 dann ein Hinweisschild: "Die Brücke ist gesperrt!"

Nur wo war die Brücke? Nachdem wir uns einen "bequemen" Pfad zur Überquerung des "Wildbaches" gesucht hatten (Anmerkung: Das dauerte ca. 10 Minuten!) entdeckten wir die zerstörte kleine Holzbrücke auf der anderen Uferseite! Weiter ging es auf dem "Postweg" Richtung Landwehrhagen!! Die erste Runde war nach einer "Laufzeit" von rd. 7:25 Std. geschafft!! (Durchschnittsgeschwindigkeit: 7:54 Min/Km)

Während Heike, Rüdiger und Hans-Arved sich entschlossen, erst mal einen "Kleiderwechsel" und etwa 30 Minuten Pause einzulegen, entschied ich mich nach einer gehörigen Kohlenhydrataufnahme, in nasser Laufkleidung die Loop 2 (ebenfalls 50 Kilometer!) im langsamen Tempo zu beginnen, denn ich war mir sicher, dass die Dreiergruppe mich schnell einholen würde! Wie zu Beginn, die ersten 200 Meter auf der Straße, dann der 2. Feldweg links und die Natur hatte mich wieder!!

Nach etwa 3 Kilometern kam das Waldstück, vor dem mich Rüdiger gewarnt hatte: Hier war der Matsch wirklich mehr als knöcheltief! Bei dem Versuch, einen quer im Weg liegenden dicken Ast beiseite zu legen, "damit wir auf dem Rückweg wenn es dunkel ist nicht über diesen stolpern", passierte es: Ich stürzte voll in den Dreck!! Entsprechend sah meine Laufkleidung aus!!

Nach vier Kilometern kam endlich die Straße - auf der anderen Seite entdeckte ich bereits die "Streckenmarkierung" und dahinter ein befestigter Waldweg ohne Schlamm!!! Nichts wie hinein in den Wald - endlich wieder laufen!! Ich lief und lief, denn hier sollte irgendwo die "Aid-Station Kragenhof" sein! Nach etwa 15 Minuten war diese aber immer noch nicht in Sicht!! Fazit: Ich hatte mich verlaufen!!! Wieder zurück!!! Ich schimpfte wie ein Rohrspatz, schalt mich u.a. einen Esel und..... war nach 10 Minuten wieder an der Straße.

Hier entdeckte ich die Ursache: Ich hatte zwar die Markierung richtig erkannt, war aber, anstatt in Runde 2 zu bleiben, auf die Strecke der Runde 4 gelaufen - ab und zu sollte man doch genauer orientieren!!

Drei Minuten später am "Kragenhof": Hier standen Heike, Rüdiger und Hans-Arved wohlgelaunt und stärkten sich! Alle Drei hatten bereits die sogenannte "Kragenhofschleife" über den "Hügel" mit einer Länge von rd. 1,9 Kilometern gelaufen und wollten soeben über den X13 entlang der Fulda in Richtung Hannoversch-Münden starten. Und ich Trottel musste den "Hügel" noch erklimmen!! Sch.... !! Im "Schweinsgalopp" lief ich los, um die schöne "Kragenhofschleife" zu finishen. Danach noch ein kurzer Verpflegungsstopp und ich nahm die Verfolgung "meiner Gruppe" auf!

Runter zum Stauwehr, dann scharf rechts und rauf auf den X13!! Dies sollte der "schönste Streckenabschnitt" des "Trail-Run" sein (Zitat Hans-Dieter!). Und die Strecke war wirklich wunderschön: Umgefallene Bäume, glitschige Steine, Morast, Wasser, Matsch und nochmals Matsch!! Dazu, wie gehabt, der Regen von oben!! Nicht zu vergessen die diversen Höhenmeter! Die beiden nächsten Stunden "lief" ich alleine - immer auf dem X13 Richtung Hannoversch-Münden, wo bei Kilometer 75 bis 21:00 Uhr das Wohnmobil mit den "Drop-Bags" wartete!!

Irgendwann, so bei Kilometer 64, kamen mir bereits die schnellen Läufer der "Spitzengruppe" auf den Fuldahöhen entgegen. Einer rief mir zu: "Da ist eine Gruppe ungefähr 500 Meter vor Dir!" Das war Balsam für die Seele!! Ich beschleunigte und nach etwa 20 Minuten sah ich "meine Gruppe" an einem Bachbett ca. 30 Höhenmeter unter mir!! Weitere 15 Minuten später, nachdem eine wunderschöne "Naturtreppe" erklommen war, schloss ich auf!!

Gemeinsam ging es auf dem X13 über die "Mordssteine" in Richtung Wohnmobil. Bleibt noch zu erwähnen, dass dieses bei Kilometer 75 direkt an der "Weserquelle" stand und wir daher die malerische Altstadt von Hannoversch-Münden auf einer Länge von etwa 1,5 Kilometer hin und natürlich auch wieder zurück durchqueren mussten.

Verdreckt und nass ging es im "Gänsemarsch" durch die Innenstadt - natürlich laufend!!

Unter einer bedachten Holzbrücke, die wir passieren mussten, standen einige BvB-Fans, die lautstark den Gewinn der Deutschen Fußballmeisterschaft ihrer Borussia feierten. Als sie uns erblickten, machten die Fans aber sofort ehrfürchtig Platz!! Noch zweihundert Meter bis zum Wohnmobil, wo Susi mit ihrem Team auf uns wartete - 20:35 Uhr: Kilometer 75 war erreicht!!

Laufzeit 12:35 Stunden - dies entspricht einem Schnitt von etwa 10 Minuten pro Kilometer!

Kurzes Verschnaufen und Kohlenhydrataufnahme. Jetzt die gleiche wunderschöne Strecke durch die malerische Altstadt über den X13 zurück zum Stauwehr, dann scharf links, nochmals die "Kragenhofschleife" über den "Hügel" und durch den morastigen Wald nach Landwehrhagen. Und das in der Dunkelheit!!

Stirnlampen aufgesetzt und ab in Richtung Rennkilometer 100, das nächste Etappenziel!

Wir beschlossen, den Rückweg auf jeden Fall gemeinsam in der Gruppe zu absolvieren - egal was kommt! Fast hätte ich es vergessen: Der Regen hatte natürlich nicht aufgehört!!

Die Entscheidung, geschlossen in der Gruppe zu "laufen", war absolut richtig - nicht auszudenken, den Rückweg bei diesen widrigen Bedingungen alleine zu versuchen! Ein Sturz, ein Umknicken - besser nicht daran denken!! Wie richtig das jedoch war, zeigte sich etwa zwei Stunden später, als die Batterien von Rüdigers Stirnlampe den "Geist aufgaben". Die persönlichen Ersatzbatterien waren in seinem "Drop-Bag" in Landwehrhagen. Zum Glück konnte ich ihm mit meinen im Hüftgurt mitgeführten Batterien aushelfen.

Wenig später mussten wir eine etwa 10 Meter lange Betonröhre passieren, in der auf dem Hinweg in der Mitte ein Bach floss und an den Seiten jeweils eine Erhöhung war, so dass man mit trockenen Füßen hindurchkam. Nur jetzt standen diese Stege infolge der permanenten Regenfälle in den letzten Stunden auch unter Wasser!! Also ab durch die Mitte!! Spätestens jetzt war uns jede Pfütze egal!! Weiter ging es im "Gänsemarsch" durch den Wald - wie beschwerlich dieser Abschnitt letztlich war, zeigt die Tatsache, dass wir für diese insgesamt 25 Kilometer fast sechs Stunden benötigt haben!

"Los Männer aufschließen und nicht abreißen lassen" spornte uns Heike an, die vorneweg "lief". "Dagegen ist der "Rennsteig" ein Sonntagsspaziergang", schimpfte Hans-Arved. Die Unterhaltung war aber deutlich reduziert worden, da wir uns wirklich doll auf die einzelnen Schritte konzentrieren mussten. Ich bin auf dieser Teilstrecke dummerweise zweimal mit rechten Fuß, den ich schon vor dem Lauf getapt hatte, umgeknickt!!

Irgendwann kam dann die "Aid-Station Kragenhof", wo wir von den Helfern freundlich empfangen wurden! Überhaupt kann man diese Unterstützung des Helferteams nicht hoch genug anerkennen, denn in der Dunkelheit zum Teil stundenlang auf uns Läufer zu warten und dann noch freundliche Worte der Aufmunterung geben, das ist schon superklasse!!!

Nach einer kurzen Rast mit kohlenhydratreicher Nahrungsaufnahme ging es nochmals über den "Hügel". Dann durch die morastige Waldpassage in Richtung Landwehrhagen. Um genau 02:35 Uhr in der Nacht erreichten wir vier das Etappenziel bei Kilometer Einhundert - Laufzeit 18:35 Stunden - der Zielschluss für die 100-Meilen-Distanz ist übrigens nach exakt 32 Stunden!!

Obwohl ich mir sicher war, die übrigen sechzigkommaneun Kilometer in der verbliebenen Zeit noch schaffen zu können, entschied ich mich jedoch, aufgrund des nun doch leicht schmerzenden rechten Knöchels aus dem Rennen auszusteigen, um so einer schlimmeren Verletzung vorzubeugen!

Auch dieser Entschluss war aus heutiger Sicht absolut richtig!!

Nach einigen Stunden Schlaf in meinem Van erlebte ich am Morgen dann das Finish von Bernd Seitz aus Regensburg, der die 100-Meilen in Sandalen gelaufen ist!! Wahnsinn!!!

Bleibt noch nachzutragen, dass von 24 Teilnehmern insgesamt 10 die Einhundert-Meilen-Distanz beendet haben - gewonnen hat übrigens Markus Müller in einer Laufzeit von insgesamt 23:24:42 Stunden! Unter diesen extremen Bedingungen und der insgesamt absolvierten Höhenmeter eine Wahnsinnszeit!! Weitere 10 Läufer "liefen" die Einhundert-Kilometer-Strecke. Drei Läufer beendeten das Rennen nach 50 Kilometern.

Mit einigen Tagen Abstand betrachtet, war die Teilnahme am "2. German-Trail-Run" ein Lauferlebnis der ganz besonderen Art, das ich nicht missen möchte!! Vielen Dank an die Veranstalter und das super Helferteam!! Ich komme gerne wieder!!!!!

Lüdenscheid, 11.05.2002

Arnd Jünemann


© Arnd Jünemann , 11. Mai 2002
Arnd.juenemann@swls.de

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