Zufälliges Zitat

"Schmeckte wie vorher, also habe ich es wieder runter geschluckt"

Christine K. über das "wiedergekommene" Powergel

Nächster Ultramarathon

Alle zeigen - Bericht von Frank Hildebrand zum Run for Help:
Frank Hildebrand , 16.06.2008

Zelten in BaLi

Endlich mal wieder BaLi (Bad Lippspringe). Zeltwochenende mit meiner Tochter Sarah, ein wenig laufen für Sarah viel laufen für mich, so war es im letzten Jahr geplant, aber da hatte ich nicht mit Sarah gerechnet.
BaLi 2007

Dieses Jahr war ich vorbereitet und wusste, es wird eher umgekehrt, viel laufen für Sarah, wenig für mich.

Bei der Ankunft etwas Enttäuschung, Stephan (Steppenhahn) hatte ja schon angekündigt, dass er wegen der Abi-Feier seines Sohnes nicht da ist, aber wo ist Ulis Wohnwagen? An der Strecke hatte ich von den anderen Streakrunnern dann gehört, dass „Pastor Uli“ wohl beruflich verhindert sei. Es waren sowieso wenige Ultras da, das war zu erwarten, weil am gleichen Wochenende auch die 100km von Biel stattfanden. Wirklich schade, aber was soll’s.

Bei der Anmeldung (und schon auf dem Weg dorthin) wurden wir herzlich begrüßt. Jeder, wirklich jeder aus dem Orga-Team konnte sich noch an Sarah erinnern. Alle haben sich gefreut, dass sie wieder da ist (ach ja, natürlich auch, dass ich da bin... ;-) ).

Sarah hatte mir schon seit Wochen klar gemacht, dass sie unbedingt eine neue persönliche Bestleistung aufstellen will. Ich wusste also genau was auf mich zukam. Also hatte ich beschlossen, in diesem Jahr nicht über irgendwelche Pausen zu diskutieren, sondern mich voll und ganz auf Sarah einzulassen. Mal sehen, wie sie ihr Rennen so einteilt.

Und ich habe Sarah nicht unterschätzt. Wenig laufen, viel wandern, dafür möglichst lange auf der Strecke, und zwischendurch immer wieder über die Fußballer ablästern, die nicht weiter als vom Mittelkreis bis zum Tor rennen können. So ist ihre Strategie und so zieht sie das Rennen durch. Hin und wieder biete ich ihr ‘ne Pause an, die sie manchmal wahrnimmt, manchmal auch nicht.
Einzige Ausnahme von ihrer Strategie: Sobald sie jemanden mit Kamera sieht, rennt sie los – ein Profi der Selbstdarstellung, und das mit 9 Jahren. Irgendwann ziehe ich sie schon auf, „Guck mal, da will einer fotografieren“. Vielleicht sollte ich eine Kamera an einem langen Stock vor ihre Nase halten. Dann würde sie wohl durchrennen ;-).

Abends um 11 hat sie ihre 54 (33,5 km) Runden zusammen (ich auch, ich durfte wieder nicht alleine). Damit ist sie sich sicher, dass sie den Marathon wieder schaffen wird. Ebenso ihre Rundenzahl aus dem letzten Jahr (76 Runden = 47,12 km). Sie will ins Zelt und ich darf alleine weiter, aber ich soll sie auf jeden Fall um halb acht wecken, damit sie noch genug Zeit hat.

Juchhu, endlich laufen!!! Nach einigen Runden habe ich nur ein anderes Problem. Nach dem ganzen Rumgeschleiche des Tages fehlt mir nun ein wenig die Motivation. Ich plaudere ein wenig mit dem ein oder anderen Ultra, die aber auch alle mehr wandern als laufen.
Christian, seines Zeichens Berufsschullehrer, erzählt mir von einer Aufgabe, die er seinen Schülern mal gestellt hat. Hab leider nicht mehr alle Daten im Kopf, aber es ging um einen 24-Stundenläufer, der 20 Stunden durchrennt und 4 Stunden ruht. Die Schüler sollten den Energiebedarf berechnen und dazu ausrechnen, wie viele Bananen der Läufer essen muss, um diesen zu decken. (Endlich mal ‚ne Aufgabe aus der Praxis) Die Lösung war jedenfalls 9,6 kg. Alleine bei der Vorstellung wird mir schlecht. Dazu bräuchte dieser Läufer die nächsten Wochen wohl keine Toilette mehr.....

Später, so gegen halb eins wird’s voll auf der Strecke. Die Abi-Feier in der benachbarten Halle wird unterbrochen und alle Abiturienten laufen eine Runde für den guten Zweck – und das im Anzug bzw. mit Cocktailkleidern und Stöckelschuhen!!! Ein echter Brüller!!

Noch später, so gegen eins, ich überlege gerade, ob ich auch ins Zelt soll, eine Stimme von der Seite: „Frank, bist Du das??“
„Ähm, ja, und wer bist Du?!?“ Der Kerl kommt mir bekannt vor, ich bin mir aber nicht sicher hier im Halbdunkel. Es ist Günter Meinhold, Spitzname Porsche, mit dem ich hier schon im letzten Jahr Stunden gequatscht habe. Wir verquatschen noch einige Runden, wie sollte es anders sein, über Laufen, Läufer und Läufe. Er kommt gerade von einem anderen Marathon, ist um 23:00 hier angekommen, will hier einen weiteren laufen, und morgens gleich weiter, damit er pünktlich um 8 Uhr beim nächsten ist – drei Marathons an einem Wochenende. Wenn der Tag da nicht reicht, muss man schon mal die Nacht dazunehmen.
Er bereitet sich damit gerade auf den Trans Gaule und den Deutschlandlauf vor. Viel Erfolg dabei!!

Um halb drei verkrieche ich mich dann auch, ich muss ja morgen noch zurückfahren, da sollte man wenigstens ein paar Stunden schlafen.

Morgens eine (leicht vorwurfsvolle) Stimme von rechts: „Papa, Du wolltest mich doch um halb acht wecken!!!“ --- „Wie spät ist es denn??“ --- „5 vor halb acht.“ --- „Na dann habe ich ja noch Zeit ;-).“ Sarah stürmt im Halbschlaf aus dem Schlafsack. Bloß keine Zeit verlieren!! Am Frühstücksbuffet (für Ultraläufer kostenlos) kümmert man sich besonders lieb um Sarah: „Wie hast Du geschlafen im Zelt? Wann hast Du geschlafen? Was möchtest Du frühstücken? Was möchtest Du zu trinken dazu?“ Sarah will einfach nur ihre Ruhe. Ein Brötchen und einen Joghurt später drängelt sie dann schon wieder nachdrücklich: „Los Papa, ich will weiter!!!“ Eigentlich quatsche ich gerade mit einem der Veranstalter, habe aber keine Chance gegen Sarah. Na ja, wir sind ja auch zum laufen hier.

Wir wandern wieder gemütlich weiter, laufen, wenn Sarah einen Fotoapparat sieht ;-).
Der Kommentator hat einen guten Riecher und fragt Sarah gerade dann nach ihrer Rundenzahl, als sie die Marathonrunde vollendet. Schon hat er wieder was zu erzählen und Sarah freut sich.
Mit zunehmender Zuschauerzahl läuft Sarah nicht nur vor Fotoapparaten, sondern dazu auch auf der Zielgeraden – Profi halt ;-). Zwischendurch machen wir Rechenspiele: Wie viel Zeit pro Runde haben wir, wenn Sarah sich nur verbessern will (77 Runden), wie viel, wenn sie über 50 km kommen will (81 Runden).
Als Sarah ihre 77te Runde beendet beweist der Kommentator wieder einen guten Riecher und holt sie zur Bühne zum Interview. Die nächste Runde schwebt Sarah natürlich.

Die letzten paar Runden sind dann Routine, gehen, laufen fürs Foto, gehen, laufen fürs Publikum, gehen..... Ich richte mich einfach nach Sarah. Sie schafft zum Schluss 84 Runden (= 52km), ich 115 Runden. Schön, wie immer, der gemeinsame Zieleinlauf der Ultraläufer und die herzliche Verabschiedung durch die Veranstalter. Der ein oder andere Ultraläufer wird wieder interviewt (Sarah natürlich auch), ich darf noch Grüße vom Steppenhahn übermitteln, der durch Oskars Abi-Feier leider verhindert ist.

Ein Mädchen (ca. 11 Jahre alt) spricht uns noch an: „Was ist eigentlich ein Ultramarathon?“ Ich erkläre es ihr. „Und wann ist man ein Ultraläufer??“ Auch das erkläre ich ihr. Die verblüffende und stolze Antwort: „Ich habe auch 75 Runden, dann bin ich ja auch eine Ultraläuferin und bekomme nächstes Jahr auch eine Startnummer!!!“ Strahlend zieht sie ab. Na das kann ja heiter werden nächstes Jahr. Im letzten Jahr Sarah als einziges Ultralaufendes Kind, in diesem Jahr neben Sarah (9 Jahre) Philip (12 Jahre, 81 Runden) und eben dieses Mädchen mit 75 Runden.

Danach will jeder nur noch schnell zusammenpacken. War ein anstrengendes Wochenende auch für die Veranstalter.

Sarah, Philip mit Papa Michael und ich gönnen uns aber noch ein großes Eis (schon fast Tradition für Sarah und mich).

Auf diesem Weg einen herzlichen Dank an die Veranstalter und alle Helfer für Eure Mühe, für die ganze Arbeit und natürlich für die Idee zum „Run for Help“!!!!!

Nachtrag und Ankündigung:

Im nächsten Jahr feiert der Run for Help sein 10-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass will man es so richtig krachen lassen und ein super Programm auf die Beine stellen. Ich glaube, wir dürfen uns schon jetzt darauf freuen!!



© Frank Hildebrand, 16.06.2008

Weitere Info's und Berichte zum Lauf:


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